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21. Februar 2013 4 21 /02 /Februar /2013 13:16

Merkwürdige Berechnungsmodelle für die Kaufinteressenten.

Wenn man verschiedenen Presseberichten glaubt, wirft die ursprünglich als Klärschlammverwertungsanlage konzipierte Dinkelsbühler Anlage plötzlich sogar Gewinn ab, seit der Insolvenzverwalter das Sagen hat. Hinterfragt man dann aber alle angeblichen Fakten, tun sich erhebliche Zweifel auf, sowohl an der momentanen Darstellung der Wirtschaftlichkeit, als auch an den Prognosen für die möglichen neuen Besitzer. Es besteht die Gefahr, dass ein zweites Mal öffentliche Gelder in den Sand gesetzt werden. Ich habe mir die Mühe gemacht, möglichst viele Informationen zusammenzutragen, zu verknüpfen und zu bewerten. Dabei traten sehr viele Merkwürdigkeiten zutage.

  • Die KSV produzierte und verkaufte in 2012 etwa zwischen 50.000 und 60.000 MWh Strom, das ergibt bei 10 Cent je kwh eine jährliche Stromvergütung zwischen 5 und 6 Millionen €. Dem gegenüber steht als größter Ausgabenposten der Einkauf der Holzhackschnitzel. In 2012 bezahlte man für die Hackschnitzel insgesamt ca. 5 Millionen Euro. Damit sieht man schon, dass die Rechnung insgesamt nicht aufgehen kann, weil man bei diesem verhältnismäßig niedrigen Hackschnitzelpreis mit der Stromproduktion gerade so die Holzhackschnitzel und einen kleinen Teil der Lohnkosten bezahlen kann. Abschreibungen und Zinskosten sind sowieso außen vor.
  • Das große Problem dieser Kalkulation ist diese auf 20 Jahre festgeschriebene Einspeisevergütung von 10 Cent je kwh. Während die Einnahmen gedeckelt sind, muss davon ausgegangen werden, dass die Brennstoffkosten weiterhin ansteigen, damit erscheint eine wirtschaftliche Stromerzeugung ohne Wärmeverkauf unmöglich.
  • Nicht eingerechnet sind in diese bisherige Kalkulation anteilige Zins- und Tilgungskosten in Höhe von bisher ca. 2,5 Millionen jährlich. Auch Lohnkosten in Höhe von ca. 400.000 € und Verwaltungskosten in unbekannter Höhe sind unberücksichtigt. Nach der Insolvenz sinken die Zins- und Tilgungskosten auf den ersten Blick zwar erheblich, weil die Anlage für „nur“ ca. 5 Millionen € gekauft wird. Es müssen dann aber neue und erhebliche Investitionen getätigt werden, um die Anlage auf das neue Produktionsziel auszurichten.
  • Man sieht also, dass es ohne Wärmeverkauf nicht gehen kann. Man muss sich das einmal vor Augen führen: Man bekommt durch das EEG eine garantierte Einspeisevergütung von 100 € je Megawattstunde (MWh). Zur Produktion einer MWh braucht man bei einem Wirkungsgrad von um die 25 % dann etwa 1 Tonne Hackschnitzel zum Preis von momentan 86 €/to. Und dann baut man diese KSV einfach so auf die grüne Wiese und wartet ab, ob sich da wärmeabnehmende Betriebe ansiedeln. Das Wort „naiv“ reicht für die Bewertung des Abstimmungsverhaltens unserer Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte und Stadtwerkeleiter bei weitem nicht aus.
  • Von vielen Verantwortlichen wird immer wieder behauptet, dass der Hauptgrund für die Insolvenz die explodierenden Hackschnitzelpreise gewesen seien. Man kann leicht feststellen, dass sich die Hackschnitzelpreise wie alle anderen Energieträger erhöht haben, jedoch längst nicht so stark, wie fossile Brennstoffe. http://www.carmen-ev.de/infothek/preisindizes/hackschnitzel/graphiken
  • Ein sehr großes KSV- Manko ist systembedingt. Während man bei Biogasanlagen das Gas verlustfrei per Rohrleitung transportieren kann, um es dann vor Ort per BHKW in Strom und Wärme umzuwandeln, geht das mit bereits im KSV- Hackschnitzelofen erzeugter Wärme nur sehr schwierig, weil bei langen Wärmeleitungen hohe Verluste auftreten.
  • Sehr verwunderlich ist auch das Verhalten der beiden (Gründungs-) Geschäftsführer in Bezug auf die Funktionsfähigkeit des Pyrobustors. Die Lieferfirma Eisenmann hatte hier mehrere Fachkräfte zur Einweisung und Einarbeitung angeboten und dringend empfohlen. Die beiden GF lehnten jedoch ab, das Resultat war dann ein kaputt gefahrener und nicht mehr funktionsfähiger Pyrobustor. Selbstverständlich lehnte die Firma Eisenmann dann jegliche Gewährleistungsansprüche ab.
  • In Crailsheim wundert man sich nach wie vor, dass man die beiden ehemaligen Geschäftsführer nicht haftbar macht. Für beide sind entsprechende Haftpflichtversicherungen vorhanden. Offenbar haben diese beiden Herren eine solch starke Position und ein entsprechendes Netzwerk, dass sich niemand an sie herantraut.
  • Über ihre Tochter http://www.ecoswitch.de/ haben die Stadtwerke Crailsheim zusammen mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall ein Angebot für die KSV beim Insolvenzverwalter abgegeben. Man will nach teurer Umrüstung dort Holz trocknen und zermahlen, um dann Holzpellets zu pressen. Der ehemalige KSV- Geschäftsführer Wagner hatte bei Gründung der ecoswitch einen 5 %- Anteil und hält diesen offensichtlich immer noch. Offenbar will man sich in Crailsheim nach dem selber wesentlich mitverursachten KSV- Crash zum zweiten Mal in ein KSV- Abenteuer stürzen. Es besteht die Gefahr, dass weitere öffentliche Gelder verpulvert werden.

Damit müsste dem letzten Leser klar werden, dass die KSV von Anfang an eine Missgeburt war. Die entscheidende Größe war der fehlende Wärmeverkauf; der moderat steigende Hackschnitzelpreis ist nur eine Randerscheinung. Einfach ohne entsprechende Verträge mit ansiedlungswilligen Betrieben ein Heizwerk auf die grüne Wiese zu bauen, um dann einfach abzuwarten, war schon fast grob fahrlässig. Aber es ging ja „nur“ um das Geld der Bürger und Steuerzahler.

Eine Aufarbeitung dieser eklatanten Fehlentscheidungen findet wohl schon deswegen nicht statt, weil die meisten Fehlentscheider auch jetzt noch in Amt und Würden sind. Man sorgte deswegen auch dafür, dass möglichst wenig Informationen an die Öffentlichkeit kamen. Abhilfe kann hier letztendlich wohl nur eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft schaffen.

 

 

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