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2. Januar 2013 3 02 /01 /Januar /2013 16:30

Königsmord oder faire Chance?

Amtsinhaber Lederteil offensichtlich chancenlos.

Am Dienstag, dem 8.01.2013, hält die SPD sehr frühzeitig die Nominierungsversammlung zur Bürgermeisterwahl Anfang 2014 ab. Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr im Wirtshaus im Freilandmuseum. An gleicher Stelle war zur Wahl 2008 Ralf Ledertheil von der SPD nominiert worden. Im Zusammenhang mit der jetzigen Nichtnominierungsankündigung der SPD- Führung  wurden viele teils unsachliche Vorwürfe erhoben und die Bad Windsheimer Gerüchteküche brodelte.

Volkstümlicherweise wurde und wird gesagt, " da sind mehrere verrückte SPD-Weiber, denen jetzt plötzlich auf einmal einfällt, dass die Ismene Dingfelder Bürgermeisterin werde müsse. Dazu müsse eben der Amtsinhaber weggeputscht werden." Eine weitere Unterstellung besagt, dass die Dingfelder doch schon längst hätte kandieren können, wenn sie denn Bürgermeisterin hätte werden wollen. Manche behaupteten auch, dass dies ein (politischer) Königsmord sei und so etwas gehöre sich einfach nicht und die SPD hätte ihren Bürgermeister sowieso mehr "an der Hand" nehmen müssen.

Die These vom Königsmord hält selbst einer oberflächlichen Betrachtung nicht stand. Zu einem Königsmord gehört zum ersten einmal ein König und da ist weit und breit keiner in Sicht. Zum anderen werden Morde niemals öffentlich angekündigt. Man kann diesen frühzeitigen Vorgang auch durchaus fair und positiv betrachten, weil dadurch dem Amtsinhaber Ledertheil die Möglichkeit gegeben wird, eine eventuelle Kandidatur außerhalb der SPD rechtzeitig zu organisieren. Bei einem hinterrücks organisierten Putsch im 2. Halbjahr 2013 wäre dies auch aus zeitlichen Gründen erheblich schwieriger gewesen.

Man kann einer Kandidatin Dingfelder auch nicht vorschreiben, wann sie denn gefälligst zu kandidieren hätte. Bei jedem Menschen verändern sich die Lebensumstände mit der Zeit und jeder sammelt seine Erfahrungen. Sechs oder 12 Jahre zusätzliche Stadtratsarbeit hinterlassen sicherlich weiteren reichen Erfahrungsschatz. Jeder Kandidat muss für sich entscheiden können, wann seine Lebensumstände eine Kandidatur ermöglichen.

Sehr zu denken geben sollte einem oberflächlichen Betrachter auch, dass jede Partei in der Regel stolz darauf ist, den Bürgermeister stellen zu können. Wenn dann also eine Partei ihren Bürgermeister nicht mehr nominiert, muss schon erhebliches und gravierendes passiert sein. Ein souveräner Bürgermeister mit entsprechender Sozialkompetenz bekommt auch niemals gleich mehrere Gegenkandidaten. Hier sind auch Parallelen zur Wahl 2008 zu sehen, als der Amtsinhaber Eckardt gleich drei Gegenkandidaten bekam.

Für die SPD- Führung war wohl auch der Gedanke, den Wählern den Amtsinhaber im Wahlkampf als kompetent und erfolgreich darstellen zu müssen, eine Horrorvision. Man hatte jahrelang versucht, den Amtsinhaber zu beraten und "an die Hand" zu nehmen. Hier machte sich aber schon bald Resignation breit, manche Beteiligte sagen sogar, sie hätten in ihrem ganzen Leben noch nie eine so beratungsrestistente Person erlebt. Hier muss auch darauf hingewiesen werden, dass man von einem Bürgermeister auch verlangen muss, dass er von sich aus auf seine Partei zugeht und sich Rat holt. Wenn man dann noch weiß, dass Ledertheil gleich zu Beginn seiner Amtszeit einige seiner intensivsten Wahlkampfhelfer über die Klinge springen, oder im Regen stehen ließ, kann man den Schritt der SPD- Führung auch im Interesse der Stadt durchaus nachvollziehen.

So kommt es dann am Dienstag zu einer paradoxen Situation. Da ist der Amtsinhaber Ledertheil, der absolut kein SPD- Bürgermeister sein will, sondern ein für-alle- Bürgermeister. Er besucht die Fraktionssitzungen der SPD seit einiger Zeit nicht mehr, seine Zahlungen in die SPD- Kasse hat er längst eingestellt. Er geht (vielleicht) zur SPD- Nominierungsversammlung, in der Hoffnung, gerade mal so 51 % zu ergattern. Dieses hypothetische Ergebnis würde dann gezwungenermaßen einen Rücktritt der gesamten SPD- Führung nach sich ziehen, Ledertheil stünde also auch in diesem Fall wieder im Regen und ohne Unterstützung da. Es würde sich wohl kaum jemand finden, der unter diesen Umständen Verantwortung in der SPD übernimmt und einen Bürgermeisterwahlkampf organisiert.

Damit ist es klar, wie eine von Ledertheil geforderte "weise" SPD- Entscheidung aussehen muss: Ein eindeutiges Ergebnis für die Kandidatin Ismene Dingfelder. Der SPD bleibt in eigenem Interesse auch garnichts anderes übrig. Auch bisherige Ledertheil- Befürworter werden im Interesse der Partei für Frau Dingfelder stimmen, wenn sie sich ernsthafte Gedanken über den Fortbestand der Bad Windsheimer SPD machen.

Ledertheil könnte sich also sehr viel ersparen, wenn er den ganzen Kram hinschmeißen würde, nach dem Motto, "ihr könnt mich mal." Wenn Ralf Ledertheil mit einem schlechten Ergebnis nach Hause geht, sind seine Aussichten, außerhalb der SPD eine Kandidatur zustande zu bringen, noch mehr geschrumpft. Dies käme dann auch einer endgültigen Selbstdemontage gleich.

Damit schaut also alles nach einem deutlichen Votum für Ismene Dingfelder aus. Dies ist dann jedoch nur eine Zwischenetappe auf dem sehr steinigen Weg zum Bürgermeistersessel. Der voraussichtliche CSU- Kandidat Bernhard Kisch hat in Wilburgstetten auf Anhieb den damaligen Amtsinhaber besiegt und bei seiner Wiederwahl dann 98 % der Stimmen erreicht. Es sind also kreative Ideen für den Wahlkampf gefragt. Eine einfach Sache oder ein Durchmarsch wird das für keinen der Kandidaten bzw. Kandidatinnen werden.

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