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31. Mai 2012 4 31 /05 /Mai /2012 16:43

Wo ist die Kneipenkultur geblieben, wohin am Abend?

Der Leerstand im Einzelhandel wird regelmäßig angesprochen. Unsere schöne Altstadt leidet, aber nicht nur am Leerstand von Geschäften.

Wo ist die Kneipenkultur geblieben? Wo geht unsere Jugend am Abend hin?

Wer kann sich noch an Zeiten erinnern, als in Bad Windsheim zwei Diskotheken nicht nur unseren ortsansässigen Jugendlichen eine Option für den Abend waren? An die „little one“ können sich sicher nur noch die „älteren Jugendlichen“ erinnern, die heute selbst Kinder haben dürften.

Aber „Inside“ und „Tropic“ waren viele Jahre ein fester Bestandteil des Nachtlebens in unserer Stadt. Viele können sich noch an die zugeparkte Hofmannstraße, damals noch Sackgasse, erinnern, wenn Heerscharen von Autos aus dem weiteren Umland nach Bad Windsheim fuhren, um die „Tropic“ zu besuchen.

Heute müssen unsere Jugendlichen selbst mit dem Auto weit fahren, um zu tanzen. Bad Windsheim hat nicht nur keine Diskothek mehr, auch die Kneipenkultur hat sich in den vergangenen 10 Jahren drastisch verändert – leider nicht zum Guten. Wer kann sich noch an den Holzwurm erinnern (Schüsselmarkt), in dem dann ein Blumenladen einzog (den es heute an dieser Stelle auch nicht mehr gibt)? Das aufwendig sanierte Irish Pub am Schönen Brunnen stand lange leer, war kurz offen (als Australische Kneipe) und steht jetzt wieder leer.

In der Pfarrgasse gab es mal eine PennyLane – Bar, das Haus verfällt seit Jahren völlig.

Als Konstante gibt es noch die Schüssel, das La Bamba, Graffiti und das „1000 und eine Nacht“, über das man aber in der heimischen Presse immer eher negative Artikel liest. Das Cafe Sommerer, mit Oldie-Nächten und anderen Veranstaltungen schon fast ein kulturelles Highlight, ist auch geschlossen.

Die schöne Lokalität am Marktplatz mit wechselnden Betreibern und noch häufiger wechselnden Öffnungszeiten ist sicher kein Highlight. Der Versuch, eine Musik-Kneipe (Abele) zu etablieren, ist ebenfalls gescheitert? Den Versuch, ins Storchennest mal eine Musikkneipe (Idur) zu machen, war vorher schon nach gefühlten 3 Wochen vorbei. Wo kann man denn in der Altstadt am Abend gepflegt einen Cocktail trinken? Wohin kann man Touristen und Einheimische am Abend schicken, wenn es etwas mehr als nur ein Bier vom Fass sein soll? Was machen Jugendliche am Abend?

Was ist hausgemacht, was könnte man ändern?

Die Sperrzeitverlängerung, die die Stadt Bad Windsheim versuchte umzusetzen, war sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Viele Probleme im Umfeld von Kneipen sind im Zusammenhang mit Lärmbelästigung bekannt. Ist unsere Jugend wirklich so laut, dass man sie aus der Altstadt aussperren muss? Und wohin dann? In ein Wohngebiet, wie es doch tendenziell im Bereich der Tennishalle besteht, wo sich seit Jahren das Le Sole hält? Oder doch raus, hoch auf den Weinturm, wo der gleiche Betreiber versucht, aus der gut-bürgerlichen Speisegaststätte eine Party-Insel zu machen?

Warum liest man heute so viel über Lärm im Umfeld von Kneipen? Seit dem strikten Nichtrauchergesetz in Bayern gehen die Raucher vor die Türe. Ob das den Wirten und Gästen gefällt, ist eine andere Sache. Fakt ist, dass in einer Innenstadt wie Bad Windsheim nachts fast schon Totenstille herrscht. Wenn nur 4 Personen sich nachts vor einem Lokal unterhalten, stört das die Anwohner, weil man es eben hört.

Muss die Kneipenkultur den gleichen Weg gehen, wie der Einzelhandel, also raus aus der Innenstadt, am besten in ein Gewerbegebiet?

Ein großer Handelshof draußen, mit Spartenrestaurants (Italiener, Grieche, Mexikaner, Chinese), dazu eine Cocktailbar, eine Pilsstube, vielleicht noch einen seelenlosen Cafehaus-Ketten-Ableger? In den Keller eine Bowlingbahn, eine Disko und ein Spielcasino.

 

Achtung, Kommentare von Ufuk Oezdil und Michael Obertlik !!, zum lesen rechts unten auf Kommentar klicken.

 

 

 

 

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Kommentare

Karl-Heinz Bräuer 08/02/2012 17:18

Fragen über Fragen, die aber auch an die Gastronomen gestellt werden müssen. Ich selbst war in der hoch Zeit von zwei Diskotheken (Cool Groove und Tropic) aktiv. Gerade den Einbruch der Gästezahlen
kann man an eine bestimmte Begebenheit aus der damaligen Zeit festmachen. Die damals jedes Wochenende von vielen "Zugereisten" aus Nah und Fern besuchten Kneipen, wollten ein größeres Stück vom
Kuchen und beantragten Sperrzeitverkürzungen bis drei Uhr. Diese wurden damals auch bewilligt. Für die Kneipenbetreiber war der GEwinn aber nur von mittelfristiger Dauer. Da ab nun die
Abwanderungen ab Mitternacht in Richtung Diskotheken fehlte, waren diese nun nicht mehr übermässig gefüllt und galten innerhalb kurzer Zeit für Gäste aus dem Umland, teilweise weit über Nürnberg
und Würzburg hinaus, nicht mehr als Geheimtip. Als Resultat sieht man heute was aus Bad Windsheims Nachtleben geworden ist. Mein Fazit: Die Bistro und Kneipenbesitzer haben sich das Wasser selbst
abgegraben.

Michael Obertlik 06/02/2012 15:28

Sehr geehrter Herr Müller,

in Ihrem Artikel stellen Sie die Frage "wo geht die Jugend am Abend hin?". Durch veränderte, respektive verbesserte Bahnverbindungen kann man jetzt Bad Windsheim auch in den Abendstunden erreichen.
Viele fahren mit dem Bayernticket als Gruppe nach Nürnberg. Wenn Sie den letzten Zug von Nürnberg nach Bad Windsheim nehmen werden Sie bekannte Gesichter sehen. Schade für die Region. Die Little
One war Attraktion Nummer 1, dann gab es noch den Keller in Burgbernheim, selbstverwaltetes Jugendzentrum der Unabhängigen Jugend Burgbernheims. Die Kneipenkultur gibts nicht mehr. Früher war man
um einen Stehplatz in bestimmten Kneipen froh. Heute geht man nicht rein weil man der einzige Gast wäre.
Schade!

Oezdil Ufuk 06/01/2012 08:29

Sehr Interessanter Bericht Herr Müller.
Genau aus diesen Gründen habe ich nach 30 Erfolgreichen Veranstaltungen und nach unzählbaren schönen Wochenenden mein Wirt sein aufgegeben. Das war auf Dauer nicht tragbar, am Wochenende gefühlte
17-mal die Polizei in Empfang zu nehmen. Die durch die Nachbarn geholt wurden, die nieee Jung waren. Sondern immer auf Mammis Schoß groß geworden sind anscheinend. Ein weiterer Grund war auch, dass
von Veranstaltung zu Veranstaltung die Auflagen der Stadt immer größer wurden. Zuletzt musste ich die "halbe" Stadt mir Sicherheitskräften ausstatten, um eine Party machen zu dürfen. Ca. 500 Meter
Radius, wo die anderen Kneipen ja schon nach 50 bzw. 100 m ihre Kundschaft hat. Ist eigentlich völlig egal, wie viele Berichte und Kommentare dieser Art kommen werden, die Leute bei der Stadt und
Polizei, haben nach meiner Sicht nur EIN Ziel, die Stadt nach 20 Uhr Leer zu sehen, dass ja kein Anwohner irgendwas sagen könnte usw. Ich könnte hier noch Stunden Lang schreiben. Finde das aber das
Interessanteste zu diesem Bericht. Grüße Ufuk

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