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17. August 2011 3 17 /08 /August /2011 19:36

Schlechteste Getreideerträge seit Jahrzehnten.

Die letzten Nerven kostet viele Landwirte die heurige Getreideernte, nicht einmal dieses bischen an Ertrag ist einigermaßen problemlos in die Läger zu bringen. Alles was vom Wetter her irgendwie schief gehen konnte, ging auch tatsächlich schief.

  • Miserable Aussaatbedingungen bereits im Herbst 2010, es war zu feucht, die Böden waren bereits durch die feuchte Ernte 2010 verdichtet.
  • Ein kühler Herbst verhinderte, dass die Bestände ausreichend weit entwickelt in den Winter gingen.
  • Ein extrem nasser Winter sorgte für wiederholte Überschwemmungen und für abgesoffene Getreidebestände. 
  • Ein extrem trockenes Frühjahr von März bis Mai mit Wechselfrösten verhinderte ein normales Wachstum, mangels Wasser erfolgte nicht die erforderliche Bestockung, die Bestände erreichten nicht die erforderliche Bestandesdichte und waren viel zu dünn.
  • Am 3. Mai gab es ungewöhnliche Spätfröste bis minus 8 Grad, je nach Wachstumsstadium der Gerste sind Ährenanlagen in der Blattscheide erfroren.
  • Anfang Juni setzte dann ein Wetterumschwung ein, es regnete plötzlich alle paar Tage. Das bereits im Abreifeprozess befindliche Getreide schob dann zwecks Arterhaltung neue grüne Triebe nach, damit entstand der sogenannte Zwiewuchs. Man hat dann einerseits voll ausgereifte Ähren im Bestand und gleichzeitig auch jede Menge grüner Ähren mit kleinen Körnern.
  • Man kann mittels Roundup die Bestände abspritzen und kann dann nach ca 10 Tagen das Getreide abernten. Die grünen Körner des Zwiewuchses schrumpeln mit dieser Methode zusammen und werden dann meist durch den Mähdrescher ausgesiebt.
  • Die andere Methode war, einfach abzuwarten, bis die grünen Körner auch ausgereift sind. Dies kann mehrere Wochen dauern, hier ist das Risiko enorm groß, dass die reifen Halme und Ähren durch Wind und Wetter abknicken, zu Boden fallen und durch den Mähdrescher nicht mehr erfasst werden können. Hier können Verluste bis über 10 % auftreten.
  • Ab Anfang Juli begann dann die Ernte der Wintergerste, die immer wieder von Regenfällen unterbrochen wurde, die Erträge lagen längst nicht bei 45 bis 55 dt je ha, wie Rudolf Fähnlein und Günter Blank in der WZ am Dienstag verkündeten. Die ha-Erträge lagen bei der Wintergerste durchschnittlich bei 20 bis 45 dt je ha, dies ist in etwa die Hälfte einer guten Ernte, bei gleichem Aufwand.
  • Die katastrophalste Frucht war der Raps, der durch Trockenheit, Spätfröste und auch durch Insektenbefall nur extrem niedrige bis gar keine Erträge brachte. Hier waren die Erntemengen je ha von null bis ca 20 dt je ha, bei einem langjährigen Durchschnittsertrag von knapp 40 dt je ha.
  • Mittlerweile sind Gerste und Raps weitestgehend abgeerntet, Triticale ( = Kreuzung von Weizen und Roggen) wohl auch zum größten Teil.
  • Die letzte Getreideart ist immer der Weizen, dieser ist eben nicht größtenteils eingebracht, wie es in der WZ fälschlicherweise hieß. Hier ist durch die dauernden Niederschläge die Gefahr von Qualitätsverlusten gegeben. Die Weizenkörner fangen bei zuviel Regen bereits am Halm zu keimen an und sind dann nur noch als Futterweizen zu gebrauchen. Auch hier fehlt etwa ein Drittel am Ertrag. Auch beim Weizen sind durch Wind und Niederschläge besonders in dünnen Beständen Ähren abgeknickt und bewirken ebenfalls Druschverluste.
  • Das einzige, was noch fehlte, - aber nur im Raum Ickelheim/Obernzenn eintraf -, war ein kräftiges Hagelunwetter. Dies war von vielen Landwirten sogar herbei gesehnt worden, weil Hagelschäden als einzige durch eine Versicherung abgedeckt sind.
  • Weitere Unkosten entstanden durch das trocknen der vielfach zu feuchten Getreidepartien. Auch die Lohndrescher musste sehr gute Nerven haben, um den jeweils kurzfristigen Ansturm zu bewältigen, wenn zwischendurch wiedermal ein Tag schönes Wetter war.
  • Was insgesamt auch nervt, ist dieses Lotteriespiel mit Niederschlägen und Gewittern. Nur einige km weiter Richtung Nürnberg lässt die Ernte nichts zu wünschen übrig, weil es fast immer passend geregnet hat. Auch im Uffenheimer Gau sind die Erträge sehr gut.
  • Des einen Freud ist des anderen Leid, könnte man besonders in diesem Jahr sagen. Obwohl die ca Mitte April gesäten Maisbestände bis Ende Mai teilweise katastrophal aussahen und insbesondere für Biogasanlagen eine Missernte erwarten ließen, erholte sich der Mais dann durch die dauernden Niederschläge erstaunlich schnell, mittlerweile steht hier eine Rekordernte auf den Äckern. 
  • Fast genauso war es mit dem Grasaufwuchs der Wiesen. Der erste Schnitt ergab meistens nur die Hälfte eines normalen Ertrages, auch dies wurde durch die Niederschläge ab Juni wieder ausgeglichen.
  • Insbesondere die Zuckerrübenbauern sehen einer absoluten Rekordernte entgegen. Zum keimen reichten bei rechtzeitiger Saat die wenigen Niederschläge von März bis Mai geradeso aus. Ab Juni war dann kein Wassermangel mehr und die Rüben konnten sich prächtig entwickeln, lediglich mit der Verunkrautung gibt es mangels Wirksamkeit der Unkrautmittel vereinzelt Probleme.
  • Insbesondere die Kombination mit Schweinehaltung verstärkt nochmals die sowieso schon miserable Situation der Betriebe, weil die Schweinepreise schon seit längerem unter aller Sau sind. Momentan kriegt man über die ausgemästete Schlachtsau gerade so die Kosten für Ferkel, Futter, Strom und Tierarzt wieder herein. Insbesondere die hohen Futterkosten schlagen enorm zu Buche. Eine Entlohnung für die Arbeit und für die anteiligen Investitionskosten für das Stallgebäude findet nicht mehr statt.
  • Fazit: Für sehr viele landwirtschaftliche Betriebe wird 2011 als Horrorjahr in die Geschichte eingehen, viele Betriebe werden in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten.

 

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