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9. Januar 2010 6 09 /01 /Januar /2010 08:26
Infoveranstaltung mit Baudirektor Kempe.
Baudirektor Kempe vom Amt für ländliche Entwicklung hielt am Freitag, dem 8.1.2010, im Gasthaus Heinlein einen Vortrag zum Thema Flurneuordnung und Dorferneuerung. Es wurden auch Fragen aus der Runde der anwesenden Ickelheimer Bürger beantwortet.

Die bisherigen Flurneuordnungsverfahren in Ickelheim:
1888-1896: Teil-Flurbereinigung mit 169 ha
1905-1931: Flurneuordnung mit 799 ha
1967-1975: Vereinfachtes Verfahren mit 716 ha
1998-2003: Waldaufteilung

Die gesamte Bad Windsheimer Flur mit allen Ortsteilen hat 2.301 Acker-Grundstücke mit einer Durchschnittsgröße von 1,54 ha und 1.661 Wiesen-Grundstücke mit einer Durchschnittsgröße von 0,7 ha. Die Gemarkung Ickelheim hat eine landwirtschaftliche Fläche von 814 ha.

Wenn eine Mehrheit von mindestens 70 % (der Grundstückseigentümer oder der landwirtschaftlichen Flächen) zustimmt, kann die Vorbereitungsphase eingeleitet werden, die in ca. 4 Jahren beginnt und ein Jahr später aktiv mit der Bestandsaufnahme begonnen wird. In dieser Phase, die ca. 6 Jahre dauert, wird ein Maßnahmenkatalog erarbeitet und ein klares Bild über alle Tatbestände geschaffen, gleichzeitig werden die Kosten ermittelt. Beendet wird die Vorbereitungsphase mit der Anordnung des Flurneuordnungsverfahrens. Bis zu diesem Zeitpunkt kann jederzeit durch die betroffenen Grundstückseigentümer das Verfahren noch abgelehnt werden.

Durch die geringe landwirtschaftliche Vergleichszahl
von 23,5 (- errechnet im wesentlichen durch die Bodenqualität - ) im Bad Windsheimer Raum wird der niedrigste Kostenanteil von 25 % für die Grundstückseigentümer angesetzt. Ein weiterer Bonus von 5 % wird gewährt, da Bad Windsheim am regionalen Entwicklungskonzept teilnimmt. Durchschnittlich entstehen je ha ca. 400 € Kosten und ein Flächenabzug von 0,5 - 2 % ist zu verkraften. Bei einer 10jährigen Verpachtung wird dem Grundstückseigentümer ein Nachlaß von 50 % auf die entstandenen Kosten gewährt. Diesen Kosten der Flurneuordnung stehen durchschnittliche Aufwandsreduzierungen bei der Feldbewirtschaftung von 170 €/ha bei einem Erstverfahren (Ickelheim wäre aber ein Folgeverfahren) gegenüber. Auch bei einer deutlich geringeren Einsparung bei der Bewirtschaftung bzw. nur etwas höheren Pachtpreisen würden sich die Kosten der Flurneuordnung in maximal 6 Jahren amortisieren. Die Kosten der Flurneuordnung können in Raten von bis zu 8 Jahren vom Grundstückseigentümer bezahlt werden. Die Einleitung eines Flurneuordnungsverfahrens führt zu einer Beschleunigung bei der Einleitung eines Dorferneuerungsverfahren.

Bei Straßenbaumaßnahmen können keine Doppelförderungen gewährt werden. Dies wäre der Fall, wenn nach einer staatlich geförderten Kanalbaumaßnahme der Straßenbelag wieder hergestellt wird und anschließend dieser im Rahmen einer Dorferneuerung nochmals umgestaltet wird. Es gibt aber die Möglichkeit (wie bereits in Wiebelsheim geschehen) nach den Kanalbauarbeiten nur eine einfache Straßenbefestigung herzustellen und die endgültige Gestaltung von Straßen und Gehwegen im Rahmen der Dorferneuerung mit aktuell 47 - 50 % bezuschussen zu lassen. In einigen Wochen soll nochmals eine Veranstaltung stattfinden, in deren Rahmen eine Abstimmung geplant ist.

Richard Müller: Meine persönliche Meinung!
Ickelheim hat eine sehr große Flur und dadurch ein sehr grosses Wegenetz. Gleichzeitig hat Ickelheim auch das mit Abstand marodeste Wegenetz aller Ortsteile. Man hatte im letzten Verfahren 1967 bis 1975 die Feldwege fast ausschließlich mit Verbundsteinpflaster gebaut. Durch den weitaus zu schwachen Unterbau und die mittlerweile wesentlich größeren landwirtschaftlichen Maschinen befinden sich fast alle Wege in einem sehr schlechten Zustand. Offenbar glaubte man bisher, dass die Stadt Bad Windsheim die Feldwege auf Kosten des Stadthaushaltes sanieren würde. Diese Ansicht war von Anfang an nicht realistisch, die sehr prekäre finanzielle Situation der Stadt Bad Windsheim lässt kaum Spielraum für größere Ausbaumaßnahmen bei Feldwegen. Gleichzeitig hat man speziell in Ickelheim äußerst niedrige Jagdpachteinnahmen, so dass auch hier keine finanziellen Möglichkeiten gegeben sind.

Bereits in 2003 war in Ickelheim eine ähnliche Versammlung. Der damalige Baudirektor vom Amt für ländliche Entwicklung stellte in Aussicht, dass auf Grund der unmittelbar bevorstehenden Flurbereinigung in Lenkersheim die direkt angrenzende Ickelheimer Flur in dieses Verfahren mit einbezogen werden könne, wenn sich die Ickelheimer Bürger noch 2003 für die Flurneuordnung entscheiden. Ein wesentlicher Grund für die Ablehnung war damals, dass einige Kommunalpolitiker und Meinungsführer im Dorf eine eher abwartende, wenn nicht sogar ablehnende Haltung einnahmen und sich nicht eindeutig für die Einleitung eines Flurneuordnungsverfahrens aussprachen. Man darf hoffen, dass sich diesesmal eine eindeutige Mehrheit für die Einleitung eines Flurneuordnungsverfahrens ausspricht. Nur so wird es möglich sein, in absehbarer Zeit mit akzeptablen Kosten zu einem modernen Wegenetz zu kommen.

Die Lenkersheimer Flurneuordnung inklusive Dorferneuerung ist längst angelaufen, man könnte also in Ickelheim auch dabei sein. Hoffentlich trifft nicht auch hier der Spruch von Michail Gorbatschow zu: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben".

Falls Blogleser eine andere Meinung vertreten, bitte ich um kurze schriftliche Mitteilung, entweder an MuellerR11@aol.com, oder per Fax an 09841/64947. Ich werde diese Stellungnahme dann hier anfügen. Für genau solche Diskussionen ist der Blog gedacht.








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  • : Dies ist ein kommunalpolitischer Blog für Bad Windsheim und Umgebung, der auch wichtige Themen aus der großen Politik aufgreift. Ich bin wirtschaftlich unabhängig und kann mir freie Meinungsäußerung erlauben. Niemand muss meine Meinung übernehmen, niemand muss diesen Blog lesen. Anregungen, Vorschläge und Kritik bitte an MuellerR11@aol.com, oder direkt per Tel. 09841/64946 Weiterer Blog: Siebener.over-blog.de
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