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26. Januar 2011 3 26 /01 /Januar /2011 19:02

Zur Versachlichung einige wissenswerte Tatsachen:

http://www.youtube.com/watch?v=LL3WHCh8BMI   link (in den Browser kopieren)

http://www.euleev.de/index.php  link

Als selber betroffener Landwirt und Schweinemäster möchte ich einiges zur Versachlichung beitragen. Die ganz große Sauerei an diesem Skandal ist, dass wir Landwirte diesen Dioxinskandal durch enorme finanzielle Einbußen ausbaden müssen. Diese norddeutsche Panscher-Firma hat Konkurs angemeldet und wir Bauern bleiben auf dem Schaden sitzen. So war ein ausgewachsenes Schlachtschwein mit ca. 120 kg Lebendgewicht über Nacht nur noch um die 100 € wert, bei Produktionskosten von mindestens 130 €. Wenn sie, lieber Leser das ins Verhältnis setzen, zu dem, was sie für 100 € an der Fleischtheke bekommen, können sie sich ausrechnen, wer den großen Reibach macht.

Dioxin entsteht im wesentlichen durch Verbrennung, wie z. B. Hausbrand, Müllverbrennung, Stahlerzeugung, Vulkanausbrüche, Waldbrände. Mit Filtern und anderer Technik ist es gelungen, den Dioxinausstoß in die Luft von 1200 g in 1990 auf 70 g jährlich in 2005 zu drücken. Restemmissionen werden immer bleiben, es gibt kein dioxinfreies Lebensmittel.

Grenzwerte für Dioxin sind: Sämtliche Futtermittel inkl. pflanzliche Öle = 0,75 ng/kg FM; Tierisches Fett inkl. Milch und Eifett = 2,0 ng/kg FM; Milch, Milcherzeugnisse, Eier = 0,75 ng/kg FM; Fischöl = 6,0 ng/kg FM; Fisch u. sonstige Wassertiere = 1,25 ng/kg FM

Kontrollen verstärken:  Auch eine weitere Verschärfung des Strafrechtes und die Ausweitung kann keine totale absolute Sicherheit bringen, es kann aber die sehr wichtige Rückverfolgung verbessert und beschleunigt werden.

Massentierhaltung: Niemand hat bisher klar und eindeutig definiert, was Massentierhaltung überhaupt ist. Manche sehen 100 Schweine schon als Massentierhaltung an, andere halten einen für verrückt, wenn man nur für 1000 Mastschweine plant. Es ist eben so, wie in der gesamten übrigen Wirtschaft auch, dass kleine Stückzahlen unwirtschaftlich sind. Der technische Fortschritt macht auch vor der Landwirtschaft nicht Halt, mittlerweile kann eine einzige Arbeitskraft ohne weiteres 2000 Mastschweine vernünftig und zuverlässig betreuen.

Lebenshaltungskosten: In vielen Ländern der Erde geben die Menschen fast ihr gesamtes Einkommen für Lebensmittel aus, in Deutschland sind es mittlerweile weit weniger als 20 %.

Verbraucherverhalten: Fast schizophren ist oft das Verhalten der Verbraucher. Uns deutschen Bauern zieht man die Daumenschrauben bis zum geht-nicht-mehr an, und kauft dann billigere ausländische Produkte, die unter wesentlich weniger strengen Auflagen produziert wurden. So wird in Deutschland die Käfighaltung bei Legehennen verboten, die Käfige werden ins Ausland verkauft und die so produzierten Eier können problemlos in Deutschland verkauft werden. Wenn schon eine dauernde Verschärfung der Gesetze notwendig erscheint, so sollte dies eben nicht nur für in Deutschland produzierte Lebensmittel gelten, sondern zwingend für alle in Deutschland verkaufte Lebensmittel! Man muss sich wundern über das Verhalten der Deutschen im Ausland, wenn man die dortigen oft sehr unhygienischen Verhältnisse betrachtet, im Urlaub scheinen gänzlich andere Regeln zu gelten.

Artgerechte Tierhaltung: Ob ein Schwein zusammen mit 200 oder mit 2000 anderen Schweinen im Stall steht, ändert erstmal nichts am befinden des Einzeltieres, entscheidend sind Haltungsbedingungen wie Platzangebot, Fütterung, Stallklima, Betreuung. Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch über artgerechte Haltung von Hunden, Katzen und Vögeln in Privatwohnungen nachdenken. Für mich ist es jedenfalls eindeutig: Unseren Schweinen geht es eindeutig besser als vor 40 Jahren. Man möge in diesem Zusammenhang auch einen modernen Laufstall für z. B. 100 Milchkühe mit den wesentlich schlechteren Haltungsbedingungen von früher mit z. B. 10 Kühen vergleichen. Es muss jedem einleuchten, dass ein spezialisierter Landwirt in der Regel weitaus mehr Fachwissen hat, als ein Mischbetriebs- Landwirt mit Kühen, Bullen, Ferkeln, Schweinen, Hühnern und Enten.

"Billiges Fleisch muss aus Massentierhaltung kommen": Dies ist ein kompletter Quatsch, weil man in größeren Beständen zwar kostengünstiger produzieren kann, niemand wird aber seine Schweine billiger verkaufen, nur weil sie aus einem größeren Bestand kommen. Im Umkehrschluss wird auch kein kleinerer Landwirt für seine meistens teurer produzierten Schweine einen besseren Preis bekommen. Es muss jedem einleuchten, dass die Vermarktungs- und Transportkosten eben wesentlich günstiger sind, wenn ein kompletter Lkw an einer einzigen Aufladestelle vollgeladen werden kann und nicht wie früher oft üblich, 10 oder mehr Landwirte abgrasen muss. 

Turboschweine: Es wird behauptet, dass die Mastschweine mit Hormonen und Medikamenten vollgepumpt würden, um ein möglichst schnelles Wachstum zu erreichen. Dies ist kompletter Unsinn, weil erstens Hormone in der Schweinemast unbekannt und sowieso verboten sind. Zum anderen sind Medikamente sehr teuer und werden nur im äußersten Notfall auf Anordnung des Tierarztes eingesetzt. Investitionen in Heizung, Lüftungsanlagen, Fütterungsanlagen und Hygiene rentieren sich eben nicht bei 50 Mastschweinen, wohl aber bei 500 Mastschweinen. Wenn ein Schwein optimales Futter bekommt und optimale Umweltbedingungen hat, nimmt es eben pro Tag bis zu 800 g zu.

"Bio ist generell besser und sicherer": Momentan wird die Bioproduktion als angeblich wesentlich sicherer hochgejubelt. Es ist schon fast bedenklich, wenn Öko-Organisationen, in deren Verfahren die Freilandhaltung vorgeschrieben ist, mit dem Argument " geringere Dioxinbelastung als in der konventionellen Landwirtschaft" werben. Das lässt auf bewusste Irreführung schließen. Tatsächlich wurden, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, in 2009 (Eier) und in 2010 (Mais) aus Ököbetrieben Höchstwertüberschreitungen von Dioxin gemeldet. Eier aus der Freilandhaltung haben in der Regel einen höheren Dioxingehalt.

 

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