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1. August 2012 3 01 /08 /August /2012 21:33

Windsheim leidet, es leidet meist an sich selbst – es leidet an einer aberwitzigen Beteiligungskrise, es leidet, weil Anspruch und Wirklichkeit nicht deckungsgleich sind.

Benachbarte „ehrwürdige Reichsstädte“ wie Rothenburg und Dinkelsbühl feiern Jahr für Jahr ihren Meistertrunk oder ihre Kinderzeche und sie tun das mit Bravour und ungebrochenem Selbstbewusstsein. Und wie sie das tun: die Straßen sind voll, die Bürger in großer Anzahl beteiligt, man schlägt sich um Rollen und historische Kostüme. Man identifiziert sich einfach mit seiner Stadt. Und nebenbei sind dann regelmäßig auch noch Festplatz und Bierzelt voll (wohlgemerkt 3-Tausender Zelte!) und das Tag für Tag! Man könnte meinen, die beiden Reichsstädte seien Großstädte im Vergleich zu Windsheim. Aber schauen wir hin, alle drei weisen eine nahezu gleiche Einwohnerzahl auf, wie übrigens zum Beispiel auch Feuchtwangen oder Neustadt, wo die einen ihre Kirchweih und die anderen ihre Mooswiese feiern, für die das gleiche gilt, wie für die erstgenannten mit ihren historischen Festen. Man kann sagen, sie feiern und feiern und feiern, bei jedem Wetter, sie lamentieren nicht, sie sind es sich wert!

Und das mittelfränkische Heilbad? Es begnügt sich und dann leidet es. An schauerlich besuchten Festplätzen zu Frühlingsfest und Kirchweih. An Umzügen und Auszügen, die keiner sehen will; an Festzelten, durch die man Tag und Nacht ungehindert von Plane zu Plane sehen kann. Um die historischen Kostüme seines Wagnertanzes reißt sich niemand, man muss um Teilnahme betteln und braucht Sugenheimer Unterstützung – seit Jahren! Ein Kurparkfest kaputtgeredet und –gestammtischt, bevor es richtig gestartet war. Also musste ein Altstadtfest her, an und für sich nichts Besonderes. Es sollte leisten, was es nicht leisten kann: Es sollte Ersatz-Historienfest und Trink- und Feierfest zugleich sein. Es sollte professionell sein und schloss die Profis aus. Es sollte zum Kassenfüller der Vereine werden und erbat sich zaghaft von ihnen kulturelle Beiträge. Es sollte überall Getränke geben und wenn zu viele Maßkrüge zerdeppert waren, äußerte man an ratsherrlicher Front Kritik an zu wenig Kultur (was auch immer man sich darunter vorstellte). Man kann sagen, sie feiern nicht, sie zerstreiten es lieber.

Jetzt hat es wieder gekracht, oder besser gesagt, das Wetter hat gekracht und jetzt streitet man. Und was ganz vielsagend ist, man streitet ohne dass ein einziger konstruktiver Vorschlag zu hören gewesen ist, wie das mit der Feierei in Windsheim weitergehen soll. Da wird vereinsmeierisch erpresst, da ergeht man sich in Vorwahlkampf und wedelt den Vereinen Geldscheine vors Gesicht. Keine Diskussion darüber, ob der Aufwand eines solchen Festes nicht sinnvollerweise durch Beginn am Freitag besser refinanziert werden könnte. Bei der diesjährigen Wettersituation wäre das zumindest die halbe Miete gewesen. Stattdessen lässt man sich von einem Verein aufs Glatteis führen und genau diejenigen werden beschimpft, die das ausprobiert haben. Es ist keine neue Situation, dass dieses Fest toll ist, wenn das Wetter passt und entsprechend wenig lukrativ, wenn es regnet. Das weiß jeder, und das war all die Jahre so. Wieso also jetzt Geld, weil es mal schlecht war? Wieso soll nicht gelten, dass jeder auf seinem Platz seines Glückes Schmied ist? Wieso dürfen Vereine immer wieder darüber lamentieren, dass sie ihre wirtschaftlichen Aktivitäten jeder für sich anmelden müssen, weil keiner sich hinstellen und für alles was da verkauft wird haften kann?

Man hat den Eindruck, da ist kein Bürgersinn. Und Vereinsdenken ist noch lange kein Bürgersinn. Ein Fest mit tiefem und grundlegendem Bürgersinn und Bürgerbewusstsein braucht die Frage nicht, wer es organisiert. Ein solches Fest lebt! - es streitet nicht! Ein solches Fest braucht niemals Sündenböcke!

Windsheim feiert nicht und wenn es mal feiert, dann streitet es hinterher, einmal war es zu kalt, einmal hat einer einen Tag zu früh gefeiert, einmal war es zu wenig Kultur, einmal zu viel Sauffest ...

Oder liegt es am Ende an der Tatsache, dass diese Stadt innerliche Defizite hat, die Streit gebären? Liegt es an mangelndem Bürgersinn oder an einem brüchigen Windsheimer Selbstwertgefühl, das da nicht ordentlich feiern lässt? In jedem Fall liegt es an mangelhafter Kultur all jener, die sich in den vergangenen Wochen vereinserpresserisch, schuldzuweisend und ausgesprochen unproduktiv erwiesen haben.

 

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