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27. Januar 2013 7 27 /01 /Januar /2013 08:40

Zwei Monate Zeitbedarf für "Feinabstimmung".

Fast jeder, der die Absicht hatte, eine Fotovoltaikanlage zu errichten, hat das längst getan, weil die Einspeisevergütung je Kilowattstunde rapide von 57,4 Cent in 2004 auf demnächst ca. 15 Cent abgesenkt wurde. Die Stadt Bad Windsheim kam jedoch jetzt erst auf den Trichter und braucht dann auch noch 3 Monate Zeit für eine "Feinabstimmung", so dass die jetzt geplanten Anlagen mit zusammen 266 kwp erst ab Anfang Juni ans Netz gehen sollen. Wenn jetzt auch noch eine Fremdfirma als Projektierer beauftragt werden soll, wird von einer möglichen Rendite nicht mehr viel übrig bleiben.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten einer Renditeberechnung. Die einfachste ist wohl, von einer kompletten Fremdfinanzierung auszugehen. Man kann dann einfach hergehen und ausrechnen, wielange es dauert, bis die Anlage die Investition durch Stromproduktion abbezahlt hat. Man wird feststellen, dass Einspeisevergütung und Investitionskosten immer in einem bestimmten Verhältnis standen und stehen. Es dauert bei einer Dachfläche mit Südausrichtung ohne Verschattung immer zwischen 8 und 9 Jahre, bis sich die Anlage selber abbezahlt hat. Von daher wäre der Investitionszeitpunkt ja eigentlich egal. Aber,... es gibt ja dann die 11 Jahre danach, weil die Einspeisevergütung für 20 Jahre plus Anfangsjahr garantiert ist. Hier schneidet eine in 2004 errichtete Anlage erheblich besser ab.

Wenn man eine eher kleinere Anlage mit 10 kwp als Beispiel nimmt, so fallen bei 57,4 Cent/Kwh je Jahr Einnahmen in Höhe von ca. (10 kwp x 1000 kwh/Jahr x 0,574 € x 11 Jahre) 63.140 € an, während bei einer im Juni 2013 installierten Anlage für die restlichen 11 Jahre nur noch mit ca. (10 kwp x 1000 kwh/Jahr x 0,15 € x 11 Jahre) 16.500 € gerechnet werden kann. Neu ist, dass bei Anlagen ab 10 bis 1.000 kW nur noch 90 % des Solarstroms voll vergütet werden. Der Rest wird am besten selbst verbraucht, weil sonst bei Einspeisung nur der Börsenstrompreis (voraussichtlich nur 5 bis 6 Cent) bezahlt wird. http://www.photovoltaikratgeber.info/update.html . Dies ist ein weiterer Nachteil der in 2013 installierten Anlagen, der aber durch den besseren Wirkungsgrad der neueren Anlagen wett gemacht wird.

Etwaige Ertragsrückgänge im Laufe der Jahre betreffen jede PV- Anlage, Versicherung und sonstige Kosten können in der Regel von der über 1000 Kwh/kwp hinausgehenden Stromproduktion bezahlt werden. Meine eigenen Anlagen hatten in 2012 einen Durchschnitt von 1108 kwh/kwp erreicht. Größere Reparaturen sind sehr unwahrscheinlich, können bei jeder Anlage anfallen und bleiben hier im Vergleich unberücksichtigt.

Zu berücksichtigen wären auch noch eine eventuelle Dachmiete, wenn die Stadt nichts zu verschenken hat. Hier wäre aber zu überlegen, ob man Interessenten aus der Altstadt bevorzugen sollte, weil sie ja aufgrund der Baugestaltungsverordnung auf ihren Gebäuden keine PV- Anlagen installieren dürfen, bzw. sollen.

Keine Milchmädchenrechnung!

Damit wären wir wieder bei der Stadt und ihrem sehr problematischen Verhältnis zu erneuerbaren Energien. Ich mache hier jetzt eine garnicht so hypothetische Rechnung auf, dies soll jetzt keine Satire sein!!

Bürgermeister Wolfgang Eckardt entscheidet bereits in 2004, alle im Eigentum der Stadt befindlichen Dächer, - also auch auf den Ortsteilen -, mit PV- Anlagen zu bestücken. Er nimmt diese 3,8 Millionen, die wenig später bei der KSV Dinkelsbühl verspekuliert wurden. Damals kostete das KWPeak etwa 4200 €. Damit würden diese 3,8 Millionen für 900 kwp reichen. Diese 900 kwp haben eine Dachflächenbedarf von etwa 6500 qm geeignete Dachfläche. Ob diese 6500 qm auch tatsächlich im Besitz der Stadt sind, kann jetzt mal außer acht gelassen werden. Letztlich könnten auch noch Dachflächen angemietet werden.

Jetzt zur Kalkulation: Wie oben vorgerechnet, fließen diese 3,8 Millionen Investitionssumme in spätestens 9 Jahren wieder zurück, diese 3,8 Millionen sind dann also wieder im Stadtsäckel. Weil die Stadt bei den Banken einen wesentlich geringeren Zinssatz erhält, kann dies auch wesentlich früher sein.

900 kwp x 1000 kw jährlich x 0,574 € ergibt eine jährliche Einspeisevergütung von 516.600 €, x 11 Jahre = 5.682.600 € Einspeisevergütung in den restlichen 11 Jahren. Nun kann man dagegen halten, dass diese Anlagen dann ja auch Betreuungsaufwand und Kosten verursachen, des weiteren ist ja auch ein Ertragsrückgang durch Alterung zu berücksichtigen. Manche werden auch sagen, bei größeren Anlagen ist die Einspeisevergütung geringer. Ich will hier nicht alles auf den Cent genau vorrechnen, es soll nur hier nur die grobe Richtung aufgezeigt werden. Man kann also noch ein Sicherheitspolster von 1,6 Millionen einrechnen, es bleiben dann immer noch Nettoeinnahmen von 4 Millionen € in 11 Jahren übrig. Zusammen mit den bei der KSV verspekulierten und von den Anlagen bereits vorab erwirtschafteten 3,8 Millionen ergibt das dann 7.8 Millionen.

Man kann nun sicher sagen, danach sind alle gscheiter, warum sagt der das nicht schon längst. Bei den bekannten Vorbehalten von Stadtrat und Stadtverwaltung gegenüber erneuerbaren Energien war das bisher aussichtslos, im übrigen musste die Stadt nur nachmachen, was private Investoren sofort geschnallt hatten, ab 2004 entstand ja ein regelrechter Boom.

Man lehnte seitens der Stadt alles über Pausch und Bogen ab. "Wir sind eine Bäderstadt und da gehen Freiflächen- PV- Anlagen einfach nicht" und auch Windräder waren bis vor kurzem absolut unerwünscht.

Dass es auch anders geht, zeigen Beispiele von anderen Gemeinden. So wurden von meinem Bürgermeisterfreund Josef Zilbauer in der Stadt Vohenstrauß schon vor Jahren PV- Anlagen in der Größe von ca. 250 kwp auf stadteigenen Gebäuden auf Rechnung der Stadt installiert.

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Update am 29.01.2013: Ein Großteil der PV- Anlagen soll auf Dachflächen des neuen Feuerwehrhauses installiert werden. Das Feuerwehrhaus wird auf keinen Fall bis Mitte 2013 fertig sein, man rechnet mit einer Fertigstellung frühestens Ende 2013. Die Einspeisevergütung ab 01.12.2013 wird dann nach momentanem Kenntnisstand ca. 12 Cent je kwh betragen, wenn nicht die Politik dazwischen funkt und eine weitere Absenkung bewirkt.

 

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