Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
5. Februar 2012 7 05 /02 /Februar /2012 15:29

Große Unterschiede bei den Preisen je Hektar Silomais

Sehr viele Biogasanlagen gibt es mittlerweile in der näheren Umgebung von Bad Windsheim. Die Betreiber dieser Anlagen kaufen einen erheblichen Anteil ihres benötigten Maises von anderen Landwirten zu. Meistens (Ausnahme Gollhofen) erfolgen keine vorherigen Preisabsprachen, der abgebende Betrieb "nimmt" das, was er bezahlt bekommt. Die abnehmenden Anlagenbetreiber orientieren sich oft an den Preisen von benachbarten Anlagen.

Um ein wenig Transparenz in diese Angelegenheit zu bringen, habe ich mir die Mühe gemacht, die Auszahlungspreise zu vergleichen, dazu habe ich mir die Preise von 8 Biogasanlagen eingeholt.

Die Anlagenbetreiber praktizieren verschiedene Abrechnungsarten. Während manche den Mais mit einer Pauschalsumme nach Hektar kaufen, wird bei anderen nach Ertrag abgerechnet. Dazu wird bei der Ernte das Gewicht entweder per Fuhrwerkswaage oder per elektronischer Gewichtsfeststellung im Häcksler festgestellt. Zusätzlich werden dann Maisproben entnommen, die dann entweder selber mittels Trockenschrank oder im Fremdlabor auf Trockenmassegehalt untersucht werden. Eher selten wird dann der frische Mais auf einen Trockenmasse (TM)- Gehalt von 32 % umgerechnet und dann nach Frischmasse bezahlt. Meistens wird die absolute Trockenmasse ausgerechnet und dann je Tonne TM ein bestimmter Betrag bezahlt.

Rechenbeispiel: Hektarertrag = 50 Tonnen, x 32 % TM = 16 To x 85 €/to/TM = 1360 € inkl. 10,7% je ha. Da Hektar-Erträge und TM- Abrechnungspreise sehr unterschiedlich sind, kann der Erlös von unter 1000 €/ha bis über 2000 €/ha schwanken. Im Bad Windsheimer Gebiet gilt ein Erlös von 1500 €/ha als sehr hoch, und wird bisher kaum erreicht.

In der Regel verkauft der Lieferant den Mais frei Silo der Biogasanlage. Die Häcksel- und Transportkosten müssen daher zumindest formell zu Lasten des Lieferanten gehen. Der Lieferant selber ist nur seltenst direkt am Transport beteiligt, das häckseln übernimmt sowieso ein Lohnunternehmer. Es wird dann zuerst ein Bruttopreis für den Mais ausgewiesen, von dem dann die unterschiedlichen Kosten für die Ernte in Abzug gebracht werden. Die dann errechnete Auszahlungssumme kann man dann durch das Trockenmassegewicht in Tonnen teilen und erhält so den endgültigen und vergleichbaren Auszahlungspreis je Tonne Trockenmasse.

Rechenbeispiel je ha: 16 To TM x 95 € = 1520 € abzgl. 80 € für Häcksler + 80 € für Transport ergibt dann eine Auszahlungssumme von 1360 €. Wenn man dann diese 1360 € durch die 16 To TM teilt, erhält man genau diese anvisierten 85 € je To TM.

Nun zum eigentlichen Preis- Vergleich der Biogasanlagen: Wenn der Preis je Hektar Silomais vor der Ernte nach einer vorherigen Besichtigung pauschal je Hektar vereinbart wird, kann der Auszahlungsbetrag nicht mit anderen gewichtsermittelten Beträgen verglichen werden. Hier ist auch zu berücksichtigen, ob Rücktransport und Ausbringung der wertvollen Gärreste bzw. der Restgülle vom Maisverkäufer oder vom Anlagenbetreiber vorgenommen wird. In manchen Fällen übernimmt dies der Anlagenbetreiber kostenlos. Hier können dann zum Maisertrag je nach Entfernung mindestens 100 € hinzu gerechnet werden.

Zumindest ein Anlagenbetreiber ist mir bekannt, der nach einer Besichtigung des Maisbestandes einen Mindestbetrag je ha garantiert, der dann bei unerwartet gutem Ertrag nach oben korrigiert wird.

Gollhofen: Die Auszahlungspreise der weitaus größten Biogasanlage in der Gegend sind allgemein bekannt und können deshalb hier veröffentlicht werden. Hier wurden je To Trockenmasse 90,78 € inkl. 10,7 % ausbezahlt. Dies ergibt dann bei mittleren bis guten Erträgen im Nicht- Gau- Gebiet eine Hektarsumme von ca. 1500 € bis 1800 €. Auf Vor- und Nachteile bezüglich Gollhofen gehe ich in einem weiteren speziellen Artikel ein.

Uffenheimer Gau: Hier wurde mir von Anlagenbetreibern berichtet, dass sie mehr bezahlen müssen als die Gollhöfer, um ausreichend Mais zu bekommen, "weil ansonsten der Mais nach Gollhofen geliefert wird".

Landkreis Ansbach, angrenzend: Hier wurden oft 1500,- € inkl. 10,7 % je ha bezahlt, zusätzlich wurden dann oftmals die Reststoffe vom Anlagenbetreiber kostenlos ausgebracht. Hier sind dann nochmals mindestens 100 €/ha hinzu zu rechnen.

Raum Bad Windsheim: Mehrere Anlagenbetreiber bezahlten diese ca. 85 € je To TM aus.

Raum Bad Windsheim: Mehrere Anlagen bezahlten weit unter diesen 85 € je To TM aus.

Flächenüberlassung für Maisanbau: Einzelne Landwirte gehen dazu über, jährlich wechselnde Ackerflächen den Anlagenbetreibern zum Maisanbau zu überlassen. Hier erfolgt dann meistens der gesamte Maisanbau durch den Anlagenbetreiber, der Besitzer der Fläche erhält dann eine Summe von mittlerweile bis zu 300 € je ha. Bei Anbaukosten von etwa 800 € je ha ergibt sich eine Summe von 1100 € für den Flächenbesitzer. Damit war in diesem sehr guten Ertragsjahr 2011 der Eigenanbau und spätere Verkauf des Maises im Regelfall deutlich lukrativer. Dies kann aber in anderen Jahren deutlich anders sein.

Zu frühe Ernte: Ein großes Ärgernis war oftmals die viel zu frühe Aberntung der Maisflächen. Es sind Fälle bekannt, wo bereits Anfang September mit einem TM- Gehalt von weit unter 30 % abgeerntet wurde. Bei sonnigem Wetter lagert der Mais in 14 Tagen Trockenmasse im Wert von etwa 200 € je ha ein, die sich der Lieferant dann ans Bein schmieren kann. Wenn er dann zusätzlich noch das Pech hat, an eine niedrigpreisige Anlage geliefert zu haben, kann ohne weiteres ein Fehlbetrag von um die 300 €/ha zusammenkommen.

Interessenvertretung: Während es bei den Lieferanten der Biogasanlage Gollhofen eine Erzeugergemeinschaft gibt, die die Interessen der Maisanbauer vertritt und Preise und Abrechnungsmodalitäten aushandelt, fehlt dies im Bad Windsheimer Raum gänzlich. Jeder Maisanbauer hier ist ein Einzelkämpfer und erreicht je nach Verhandlungsgeschick einen entsprechenden Maispreis. Sollten einzelne Biogasanlagen den (Preis-) Bogen in die falsche Richtung überspannen, ist sicherlich auch im Raum Bad Windsheim die Gründung einer Erzeugergemeinschaft denkbar.

 

 

Diesen Post teilen
Repost0

Kommentare

Über Diesen Blog

  • : www.windsa.net von Richard Müller
  • : Dies ist ein kommunalpolitischer Blog für Bad Windsheim und Umgebung, der auch wichtige Themen aus der großen Politik aufgreift. Ich bin wirtschaftlich unabhängig und kann mir freie Meinungsäußerung erlauben. Niemand muss meine Meinung übernehmen, niemand muss diesen Blog lesen. Anregungen, Vorschläge und Kritik bitte an MuellerR11@aol.com, oder direkt per Tel. 09841/64946 Weiterer Blog: Siebener.over-blog.de
  • Kontakt

Suchen

Seiten