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15. Januar 2011 6 15 /01 /Januar /2011 20:05

Holzrechtlerversammlung in Berolzheim.

Als einen rechtlosen Indianerhaufen bezeichnete ein Jurist die Rechtsform der Holzrechtlergemeinschaft in Berolzheim. Man hat hier weder eine Satzung, noch eine Genossenschaft, noch einen Schriftführer. Man fasst zwar ab und zu Beschlüsse, "vergisst" diese aber dann nach Belieben, oder aber auch nicht.

Legendär ist die Aussage des Holzmeisters, der auch gleichzeitig Jagdvorsteher ist, vom 12.04.2006, wo er sagte: "Gott sei Dank, dass wir bei den Holzrechtlern keinen Schriftführer haben". Diese Aussage fiel, nachdem bei der Jagdgenossenschaft Schlampereien unvorstellbaren Ausmaßes aufgedeckt worden waren. Es fehlte Geld in der Kasse, es fehlten massenhaft Belege, ein Blatt im Kassenbuch war herausgerissen und ersetzt worden, zu Versammlungen wurde nicht korrekt eingeladen, der Jagdvorsteher handelte wiederholt eigenmächtig und willkürlich. Wegen sonderbaren Merkwürdigkeiten in der Kassenbuchführung konnte die Kasse immer nur in Anwesenheit des Kassiers überprüft werden. Mehrere Versammlungen mussten in Anwesenheit des Duzfreundes Richard Höfler vom Landratsamt wiederholt werden. So ist dann auch diese Äußerung mit "Gott sei Dank" zu verstehen, weil man ja nichts nachweisen kann, wenn nichts aufgeschrieben ist.

Zurück zu den Holzrechtlern: Der ca. 59 ha große Rechtlerwald besteht fast ausschließlich aus Laubbäumen und wird als Mittelwald bewirtschaftet, das heißt, die Bäume werden alle ca. 27 Jahre abgesägt und treiben dann selber wieder aus, nur Fehlstellen werden nachgepflanzt. Grund und Boden gehören der Stadt Bad Windsheim, die Nutzung steht ausschließlich den Rechtlern zu. Es bestehen 65 1/2 Holzrechte, die Stadt BW besitzt davon 6 Rechte. Zur jährlich stattfindenden Versammlung werden zwar die meisten Rechtler eingeladen, jedoch auch wieder nicht alle.

Für die Beibehaltung dieser ökologisch sehr wertvollen Mittelwaldbewirtschaftung gibt es seit einigen Jahren Zuschüsse, die den einzelnen Rechtlern für die Arbeitserschwernisse zustehen. Diese Zuschüsse werden von der Stadtkasse an die Rechtler weiter gereicht. In der Versammlung Ende 2009 wurde dann auch per Abstimmung mehrheitlich beschlossen, dass man 50 € je Waldrecht ausbezahlen würde, der Rest sollte für Wegebau und ähnliches in der Kasse verbleiben. Als ich (RM) dann in der Versammlung im Dezember 2010 fragte, wieso diese Gelder nicht ausbezahlt wurden, setzte eine große Diskussion ein, ob man so etwas überhaupt beschlossen habe, einige konnten sich teilweise, manche schon garnicht mehr erinnern. Mangels mehrheitlicher Erinnerung wurde dann eben nichts ausbezahlt. Da mir (RM) vor einem Jahr gesagt wurde, dass man im Vorjahr (2008, in meiner Abwesenheit) einen Schriftführer gewählt hätte, bat ich darum, doch das Protokoll vorzulesen. Es stellte sich dann jedoch heraus, dass man damals zwar irgendwie gewählt hatte, offensichtlich hatte sich aber der Auserkorene nicht deutlich genug gegen seine Wahl gewehrt. In Berolzheim gilt man in einem solchen Fall oft als gewählt, jedoch auch wieder nicht immer. So wurde von einem Teil der Rechtler angenommen, dass man einen Schriftführer habe. Damit war klar, dass kein Protokoll über die Auszahlungsabstimmung angefertigt worden war. Ich (RM) bat dann darum, das Protokoll über den Wahlvorgang vorzulesen. Hierzu wurde dann geäußert, dass man momentan keinen Schriftführer habe, damals, beim Wahlvorgang, habe man aber überhaupt keinen Schriftführer gehabt. Man beachte den feinen Unterschied zwischen keinem und überhaupt keinem Schriftführer!! Auf meine Frage, warum dann nicht gleich der Kassier oder der Holzmeister diese paar Zeilen zu Papier bringen könnten, wurde mir geantwortet, dass beide dazu nicht befugt wären und auch keine Zeit hätten. Auf den Hinweis, dass der Holzmeister letztendlich für korrekte Kassenführung und Protokolle zuständig sei, antwortete dieser, dies gehe ihn nichts an, er könne schließlich nicht alles machen.

Ich selber habe schon wiederholt die Stadt Bad Windsheim erfolglos gebeten, doch als Eigentümer von Grund und Boden und als Besitzer von 6 Holzrechten endlich Ordnung in diesen "Saustall" zu bringen. Dies passierte jedoch noch zu Wolfgang Eckardts Bürgermeisterzeiten. Wer Wolfgang Eckardt und seine Freunde in Berolzheim kennt, wird sich sicher ausrechnen können, warum da absolut nichts passierte.

Vor drei Jahren wurde vom Holzmeister ohne Rücksprache mit den Rechtlern sein Freund, Bauunternehmer und Jagdpächter eigenmächtig zum nichtöffentlichen Eichenverstrich eingeladen. Dieser Spezl konnte sich dann massenhaft günstig Eichen ersteigern, speziell von ihm ausgewählte Rechtler bekamen dann von ihm die Kupfen (Kronen) geschenkt und erledigten dafür das fällen und den Transport zu einem Lagerplatz.

In 2008 gab es noch bis zu 90 % Zuschüsse für Waldwegeausbau. In Berolzheim wurde auch ein Waldweg ausgebaut,.......... ohne Zuschüsse, mit Eigenmitteln. Man scheute offenbar diesen Schreibkram, "und die könnten ja das Geld vielleicht sogar wieder einmal zurückverlangen", wenn irgendwelche Vorschriften nicht eingehalten würden!!

Bereits zwei Mal wurde in der Vergangenheit mehrheitlich per Abstimmung beschlossen, dass die Holzabfuhr nur bei tief gefrorenem Boden erfolgen dürfte. Damit sollten die unbefestigten Wege geschont werden. Diese Methode klappt in vielen anderen Dörfern tadellos, jedoch nicht in Berolzheim. Zwei dafür bekannte rücksichtslose Holzrechtler ignorierten diese Abstimmung und befuhren die Waldwege bereits nach nur schwachem Nachtfrost. Dies löste dann jeweils eine Art Dammbruch aus, bis auf eine Minderheit holten dann viele Rechtler ihr Holz aus dem Wald. Die Wege sahen dann entsprechend aus und Rechtler, die tiefgefrorenen Boden abwarteten, konnten mit ihren oftmals kleineren Traktoren die tiefen Fahrspuren fast nicht mehr bewältigen. Als Konsequenz trat der damalige Holzmeister zurück. Ohne die geringste Kritik an den Wegeräubern wurde dann ein neuer Holzmeister gewählt, der jetzt lediglich proforma, erfolglos, sinnlos und jährlich wiederkehrend an die Vernunft der Rechtler appelliert.

Vor dieser jetzigen Zuschussregelung für die Beibehaltung dieser Mittelwaldbewirtschaftung gab es Zuschuss für die Errichtung eines Wildschutzzaunes zur Verhinderung des Wildverbisses an den jeweiligen Stockausschlägen in den ersten 5 Jahren. Dazu entstanden für die Rechtler erst einmal Kosten für Zaun und Arbeit. Als Bedingung galt auch, dass der Zaun regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf repariert werden musste. Diese Kontrolle erfolgte jedoch nicht, sodass der Zuschuss vom zuständigen Förster verweigert wurde, die Rechtler blieben damit auf den Kosten sitzen. Im Jahr danach wiederholte sich das Spiel, wieder wurde mit hohen Kosten eingezäunt, die Instandhaltung wurde versäumt und der Zuschuss wurde verweigert. Damit fehlten ca. 3000 € in der Kasse.

Der Clou kommt aber noch: Einer dieser rücksichtslosen Wegerammler war gleichzeitig auch Kassier. Da einerseits durch dieses ausbleiben der Einzäunungszuschüsse und andererseits durch diese "zusammengerammelten" Wege Geldbedarf entstand, wurde ein Beschluss gefasst, Geld einzuheben. So stand dann doch tatsächlich der Kassier eines Tages vor der Haustüre, um Geld wegen versäumter Zuschüsse und kaputter Wege einzutreiben.

Als Außenstehender wird man sich sicher fragen, wieso solche unmöglichen Verhältnisse nicht per Abwahl beendet werden. Es gibt den Bürgermeister, den Ortssprecher und informierte Stadträte, wieso greift insbesondere die Stadt Bad Windsheim als Grundbesitzer und Rechteinhaber nicht ein? Dazu sind weitere Erläuterungen nötig, dies wird in weiteren Artikeln in absehbarer Zeit erfolgen.

Im nächsten Artikel dazu unter anderem am Beispiel von Berolzheim: Wie funkionert eine so bezeichnete intakte Dorfgemeinschaft? Feste feiern, wie sie fallen, zusammen mit Luggi, Bomfi und Quetschen-Heiner im Jaghüttenschwarzbau an der Hasenleite. Geben und nehmen, Zuckerbrot und Peitsche, Schikane und Intrigen, Saustall oder intakte Dorfgemeinschaft.


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