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1. April 2020 3 01 /04 /April /2020 18:47

Endlich Erster - Der Sieger – Entzaubern oder Entdämonisieren

Jürgen Heckel, erster Bürgermeister von Bad Windsheim?

Diese Zeile hätte noch vor Jahren höchstens am 1. April in der WZ gestanden – gleich unter dem Artikel, dass im Freilandmuseum die modernste Achterbahn Europas steht. Jürgen Heckel, erster Bürgermeister von Bad Windsheim! Ein Unfall? Ein Versehen? Oder war das kein Versehen, sondern ein Verstehen. Ein Verstehen im Sinne von Anerkennung? Blicken wir mal zurück, Mitte der 1990er Jahre. Heckel war damals knapp 30 und versuchte sich in der Kommunalpolitik. 6 Jahre war er bei der Liste SPD/UB mehr oder weniger wohlgelitten.

Und am Ende der Periode 1996-2002 stand er da, irgendwie wollte ihn keiner auf der Liste haben. Er hätte sich also nach 6 Jahren vom Stadtrat verabschieden können, wie so manche vor ihm. Er hat es versucht, es hat nicht geklappt. Sein quirliges, manchmal penetrantes agieren kam nicht an. Genau da, irgendwann Ende 2001, begann das, was diesen Bürgermeister von anderen unterscheidet. Das war die Weichenstellung für Heckel. Er hat eben nicht aufgegeben, lange bevor Einzelpersonen wie Macron mal eben ihre Liste gegründet haben.

Er schmiedete einen kühnen Plan, gründete eine Liste. Seine Liste, und er erkämpfte auf Anhieb zwei Stadtratsmandate, Wolfgang Stadler war sein Unterstützer und Mitkämpfer. In den Jahren 2002 bis 2008 hatte er es nicht leicht. Höflich formuliert war der damalige Bürgermeister Eckardt Herrn Heckel nicht sehr wohlgesonnen, Zitate von Bezeichnungen Eckardts für Heckel mögen dem Leser aber hier erspart bleiben.

Zur nächsten Wahl 2008 verbündete man sich mit der FDP und schaffte zusammen vier Stadtratssitze. Hier knirschte es dann schon nach kurzer Zeit kräftig im WiR/FDP- Gebälk, dem absoluten Führungsanspruch von Heckel wollten sich nicht alle unterordnen. Es war damals schon faszinierend, die Fähigkeit Heckels mitzuerleben, andere durchaus intelligente Menschen an sich zu binden, die dann jede auch noch so merkwürdige und abenteuerliche Kehrtwendung Heckels kritiklos mitmachten. Der Wille zur Macht war damals schon deutlich zu erkennen, Heckel betrachtete die Gruppierung als seine WiR.

Trotzdem ist Heckel so clever oder so feige, nicht gegen den Bürgermeister anzutreten – er lässt zur Wahl 2008 seinem Parteifreund Albert Regel den Vortritt, der dann sehr knapp scheiterte. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt, am Ende kommt Ledertheil an die Macht. Heckel wird 3. Bürgermeister, endlich in der ersten Reihe, aber nicht in der Mitte. Er gibt nicht auf, quirlt weiter in diversen Vereinen, exponiert sich als Lenkersheimer und setzt dort nicht nur mit der Biogasanlage und später mit der Dorferneuerung ein Zeichen, das aufhorchen lässt: er hat eine Idee oder er greift sie auf – beides muss ein Bürgermeister können. Er muss Dinge angehen, die auf dem Tablett liegen oder eigene Ideen haben und umsetzen, Ärmel hochkrempeln. Nur außerhalb von Lenkersheim hat es ihm bislang keiner zugetraut. Die Klärschlamm-Trocken-Experten, die Hospitalstiftungsleuchten – Millionen versenkt und keine dumme Idee kam von Heckel.

Man muss sich mal eines überlegen: zusammen mit seiner Vertrauten Marianne Schweiger organisiert er den Sommerempfang. Man darf sicher sagen, dass es ein Stück seinem Ego dient, wenn er im Mittelpunkt steht. Aber dieser Sommerempfang ist so eine Blaupause seines Wirkens: er beißt sich fest und er schafft es, wie auch immer, Menschen zu binden. Die Redner waren keine C-Prominente aus dem BigBrother-Container und keine Dschungelcamp-Aspiranten. Die lokale Politikprominenz hat ihn geschnitten, Jahr für Jahr. Die Besucher haben das aber gemerkt, so wie die Besucher seiner vielen anderen Aktivitäten. Da kommt der Parteifreund des Bürgermeisters und Bundespräsident a.D. Christian Wulff nach Bad Windsheim – zu des Heckels Sommerempfang. Der Präsident, oder zumindest der ehemalige Präsident – zu einer Zeit, als juristisch aufgearbeitet war, dass er gegen Friede Springers Gusto, nicht aber gegen deutsche Gesetze verstoßen hat, nach Bad Windsheim. Und was macht der Bürgermeister: boykottiert wie immer die Veranstaltung, also den Sommerempfang, und lässt sich aber aus gleichem Anlass mit dem Präsidenten a.D. ablichten und nötigt dem einen Eintrag ins goldene Buch der Stadt ab. Und wieder waren 100 oder 200 Leute da und wieder haben die gemerkt, dass man aus dem Heckel ein Prinzip macht.

Es lag wie ein Bann über ihm – egal, was er gemacht hat. Aber die Besucher haben es bemerkt, haben es sich gemerkt. Sie haben erkannt, dass die Politikprominenz viele seiner Aktionen, selbst wenn deren Zweck wie Benefizveranstaltungen noch so unstrittig gemeinnützig waren, aus Prinzip geschnitten hat. Die Bürger haben gemerkt, dass man manche Dinge lieber nicht besser macht, weil die Idee oder das sicher oft auch penetrante Vorbringen von Heckel kam. Mag sein, dass Heckel den Leuten auch manchmal leidgetan hat, so wie er den einen oder anderen genervt hat. Seine politischen Widersacher haben nicht verstanden, dass man ihn fordern kann oder man versuchen sollte, ihn zu entzaubern. Sie haben immer wieder versucht, ihn mundtot zu machen. Diesen Prozess muss man sich vor Augen führen, wenn man verstehen will, wie er die Mehrheit auf seine Seite gebracht hat.

Dann kam die Wahl 2014 – dass Ledertheil abgewählt werden würde, war klar. Heckel stieg in den Ring und war letztlich schon vor der Stichwahl aus dem Rennen, es war ein aussichtsloser Kampf. Doch wie 2002, als seine politische Karriere zu Ende schien, hörte er auch jetzt nicht auf. Mittlerweile zu dritt im Stadtrat, eine eigene WiR- Fraktion. Der Rest ist bekannt, aus dem nervigen jungen Quertreiber und angeblichen Bedenkenträger ist heute der Bürgermeister geworden. Der eine eigene Liste ohne Vorsitzenden hat, dem nicht mal der unsägliche Abgang des Vorsitzenden, (wie hieß der nochmal? Meier? Huber? Müller? Wer kennt schon den Vorsitzenden der Liste WIR?) schadete.

Der Wahlkampf 2020 von Heckel war zweigeteilt: auf der einen Seite die, höflich formuliert, schwer verdaulichen Printaktionen und auf der anderen Seite: Jürgen Heckel. Dass Heckel in die Stichwahl kommt, war eigentlich absehbar. Dass er den amtierenden Bürgermeister schon im ersten Wahlgang überholen würde, das hat wohl kaum jemand zu hoffen gewagt oder sich im Albtraum vorstellen müssen.

Über die Fehler der CSU im Wahlkampf ist hier schon ausführlich berichtet worden. Eckardt hasste oder liebte man, Ledertheil mochte eigentlich niemand – und bei Heckel scheint es, als ob so viele Stichwörter doch einen Funken Wahrheit in sich tragen. Der stete Tropfen, der den Stein höhlt, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt – aber eines ist klar: viele Wähler haben nicht explizit den alten Chef Kisch abgewählt, viele dachten: der Jürgen, der hat es jetzt mal verdient.

Und was sagen seine Gegner, die, die vor ihm warnen? Noch kurz vor der Wahl war ein mehrfaches Zitat bei Facebook, dass man sich niemanden wählen darf, der sich selbst nicht beherrscht. Heckel ist zweifelsohne impulsiv, er ist sprunghaft, er ist ICH im Gegensatz zu WIR. Er ist ein Selbstdarsteller, der das Rampenlicht sucht. Aber vielleicht hat er das Rampenlicht nur gesucht, damit er endlich mal beweisen kann, was in ihm steckt.

Was sollten seine Gegner jetzt machen? Eigentlich können sie nur einen Weg im Sinne der Stadt schaffen: Heckel soll zeigen, was er kann. Er soll beweisen, dass er kein Schaumschläger ist. Seine Gegner wissen, dass er scheitert, sie wissen, dass er nichts kann. Dann werden sie ihn vorführen und sie werden das im Sinne der Stadt auch tun müssen. Dann stehen von 24 Stadträten eben 19, also ohne WIR, auf und machen die Politik. Soll ja funktionieren.

Sie müssen Heckel entweder, und das ist die wichtigste Aufgabe für die nächsten 18 Monate, entzaubern oder sie müssen ihn entdämonisieren. Ist Heckel kein Blender, dann muss man ihn entdämonisieren. Dann muss man ihm Respekt zollen und sich freuen, dass er nach zwei Amtsperioden 67 ist und nicht mehr antreten darf. Dann muss man aber im Sinne und zum Wohle der Stadt mit ihm arbeiten. Zum Wohle der Stadt, so wie man es bei der Vereidigung am Anfang Mai 2020 schwören wird.

Ist Heckel nur der Blender, dann nimmt man ihm nach 1 oder 1,5 Jahren das Zepter aus der Hand, beschließt eben gegen den Bürgermeister Dinge, stellt die Weichen. Kontakte nach München soll es ja geben. Zum Wohle der Stadt, so wie man es bei der Vereidigung am Anfang Mai 2020 schwören wird.

Ein Schlusswort sei noch gestattet: die Landesgartenschau 2027 und die Drohung der CSU wird zur größten Bedrohung der CSU überhaupt: kommt die Gartenschau, straft das das Wahlversprechen Lügen. Kommt sie nicht, erodiert das Ansehen der CSU noch weiter, weil man die Windsheimer für den Wechsel bestraft. Heckel kann unter das Thema einen Haken machen und sich hinsetzen und seine Hausaufgaben machen.

 

 

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Kommentare

D. Schulenburg 04/02/2020 09:22

Akzeptiert!
Einen Sieger könnte man auch schöner beschreiben. So ist allerdings noch viel Luft nach oben. Die braucht man zum Atmen.
Zitat: Heckel kann unter das Thema einen Haken machen und sich hinsetzen und seine Hausaufgaben machen. Zitat Ende.
Genau darauf kommt es an! WiR machen's besser! Wichtig! Offen und ehrlich! Schlechter wäre ein wirklicher Affront. Für mich undenkbar!

D. Schulenburg 04/17/2020 08:38

Prognose:
Ich bin mir fast sicher, dass dieser Sieger, bzw. "der Macher", schon an vielen Schrauben dreht und an vielen Veränderungen (noch allerdings im Verborgenen) arbeitet.
Ich vermute, diese Veränderungen werden eine neue Geschäftsordnung sein. Der Ausschusswahnsinn wird vermutlich abgeschafft und ähnlich wie in Neustadt / Aisch vom gesammten Stadtrat besprochen und beschlossen. Den Bremsern werden die Bremsen verstellt bzw. neu eingestellt und gegebenfalls werden diese zu gegebener Zeit ausgewechselt. Die Türen zum Bürgermeister werden geöffnet werden und die Verschlossenheit wird der Offenheit weichen. Der 2. und 3. Bürgermeister Posten wird im Vorfeld verhandelt bzw. mit den entsprechenden Fraktionen bereinigt. Ich vermute FWG und SPD wird hierbei herauskommen.
Die Ortsbeauftragten werden wieder aktiviert und ihre Wichtigkeit hervorgehoben werden.

Leider wird durch Corona nicht alles so laufen, wie man es sich gerne wünschen würde, aber vieles wird sich positiv verändern und das ist schon mal wichtig.
Ins Rathaus wird wieder das "wir" einziehen und nicht mehr nur das "ich" herrschen.

Am 07. Mai wird dann in der KKC der offizielle Wechsel vollzogen. Die Bürger werden hierzu nicht ausgeschlossen sein. Für genügend Abstand sind die großen Räumlichkeiten im KKC gerüstet.
Dann wird der Prognose die Wirklichkeit folgen.

D. Schulenburg 04/02/2020 15:05

Komisch, dass man immer wieder von Selbstdarsteller spricht und schreibt. Auch deshalb haben meine Frau und ich auch lange überlegt, bis wir dem Verein WiR beigetreten sind.
Ich gehe mittlerweile auf jede WiR Sitzung und habe Jürgen Heckel immer nur als Macher erlebt. Fast immer steht das "Wir" im Mittelpunkt.
Natürlich ist auch klar, wenn man was bewegen will, auch vieles in Bewegung ist. Wenn das dann die Selbstdarstellung sein soll, ok, dann muss man eben ein Selbstdarsteller sein. ( Was macht der Söder zur Zeit? Aber gut! Ist das ein Selbstdarsteller? )
Wichtig ist doch was dabei rauskommt. Was Positives dabei rauskommt.

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