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7. September 2015 1 07 /09 /September /2015 18:29

Merkwürdigkeiten bei der Siebenernachfolge.

 

Bei allen Versammlungen der Feldgeschworenenvereinigung Bad Windsheim und Umgebung prangt vorne unübersehbar ein Plakat mit der Aufschrift „Ordnung, Recht und Sitte“. Alle herbeizitierten und eingeladenen Grußwortredner betonen dann pflichtgemäß die Unersetzlichkeit des nur in Franken vorhandenen und sehr gut bezahlten „Ehren“- Amtes. Man übt sich stets in sehr hohen moralischen Ansprüchen, man sollte dann aber auch Gerechtigkeit gegen jedermann üben.

 

Was sich in der jüngsten Vergangenheit aber bei Bad Windsheims Siebenern in Bezug auf Ordnung, Recht, Sitte und Tradition abspielte, ist zumindest sehr bemerkenswert. Wie in jedem Verein und in jeder Gruppierung gibt es auch hier aktivere und weniger aktive Mitglieder. Bei den Bad Windsheimer Siebenern ist jedoch eine Art graue Eminenz am Werk, die alle Veränderungen und Entscheidungen in ihrem Sinne beeinflusst und regelt. Merkwürdigerweise ist diese Person jedoch nur als „normaler“ Siebener tätig und hält sich von Führungspositionen in Bad Windsheim fern. Den Siebenerkollegen bleibt offenbar nichts anderes übrig, als sich anzupassen, um keine Schwierigkeiten zu bekommen.

In fast allen Siebenereien ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Sohn dem Vater im Siebeneramt nachfolgt. Es gibt sogar den Begriff „Siebenerrecht“; man sagt dann, auf diesem oder jenem Hof „liegt“ ein Siebenerrecht. Wenn der Sohn nicht als Nachfolger genommen wurde, musste etwas sehr gravierendes vorgelegen haben. Mittlerweile hat das Siebeneramt wegen immer wieder vorkommenden Unregelmäßigkeiten und ständigen Niederlagen vor dem Verwaltungsgericht deutlich an Ansehen eingebüßt, es gibt immer öfter auch Fälle, wo das Ehrenamt abgelehnt wird.

Als vor einiger Zeit ein Bad Windsheimer Siebener verstarb, konnte nicht traditionellerweise der Sohn als Nachfolger gewählt werden, weil kein Nachkomme vorhanden war. Auf Initiative dieser bereits genannten grauen Eminenz wurde dann überraschend  Wilhelm Hummel, der Vater des früheren 2. Bürgermeisters und langjährigen CSU- Stadtrates Dieter Hummel gewählt. Als dann im Jahr 2011 Hummel senior verstarb, fragte man Dieter Hummel vorab, ob er bereit wäre, das Siebeneramt zu übernehmen, was Dieter Hummel auch zusagte. Aus der Zeitung erfuhr Dieter Hummel dann, dass man Herrn Achtelstetter zum Siebener gewählt hatte. Nicht nur für Insider war dies eine sehr große Merkwürdigkeit. Man hatte zusätzlich die Gelegenheit nicht genutzt, einen stellvertretenden Bürgermeister und langjährigen Stadtrat in seinen Reihen zu haben, was in manchen Stadtratssitzungen durchaus von Vorteil für Siebener und Stadt sein konnte.

Sehr verwunderlich war, dass die graue Eminenz im Hintergrund zuerst darauf hingearbeitet hatte, Hummel senior als Siebener zu berufen, während sie dann beim Junior genau das Gegenteil tat. Es waren keine nachvollziehbaren Gründe vorhanden, von den Siebenern wurde das Scheinargument gestreut, dass Dieter Hummel keine Zeit für das Siebenerwesen hätte und dass es von Nachteil sei, wenn man einen Politiker in den eigenen Reihen habe.

Es ist klar, dass nach diesem Vorkommnis über Hintergründe spekuliert wurde. Von Insidern und Netzwerkern wurde mir (RM) mitgeteilt, dass irgendwie eine Gastwirtschaft eine Rolle gespielt hätte. Und so sieht man wieder einmal, dass es insbesondere bei den Siebenern oft gewaltig menschelt. Auf Versammlungen wird dann wieder von der eingeladenen Prominenz verbreitet, dass die Siebener für Frieden auf den Dörfern sorgen würden. Wie geschildert, ist oft genau das Gegenteil der Fall, wenn die Siebener ihre Machtposition rigoros ausnützen. Es ist meiner Meinung nach eine sehr ungute Sache, dass Siebener nach wie vor auf Lebenszeit gewählt und werden und für ihr oft schikanöses Verhalten niemals Rechenschaft ablegen müssen. Als Rechtfertigung dient dann oft der Ausspruch "mir senn jo vereidichd". Es gibt mittlerweile nicht wenige Landwirte, die die Siebener als Unfriedensstifter Nummer eins sehen.

Eine weitere Besonderheit gibt es in Bad Windsheim noch, man leistet sich doch tatsächlich einen Feldgeschworenen, der seinen Hauptwohnsitz 25 km von Bad Windsheim entfernt hat. Auch aktuell ist wieder interessantes zu vermerken. Nach dem Ableben des bisherigen Siebenerobmannes Ehrenbrand versucht die graue Eminenz schon wieder, trotz Bereitschaft des Sohnes eine andere Person zu installieren, Ausschlusskriterium soll hier eine vorhandene Tätowierung sein, die sich angeblich nicht mit der Siebenertradition verträgt. Pikanterweise soll der neue „Ersatzsiebener“ ausgerechnet aus der Familie eines bisherigen absoluten Siebenergegners stammen. Man darf gespannt sein, ob sich die übrigen Siebener wieder keine eigene Meinung erlauben und dem Diktat der grauen Eminenz folgen werden. Vielleicht emanzipiert man sich doch einmal und vertritt seine eigene Position.

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